Die Endlichkeit der Exzellenz

Exzellenzuni - Ende der Volluniversität? (18.10.2006)

Freitag, der 13.Oktober. Heidelberg.

Es hätte alles so schön sein können, das Buffet war angerichtet, das Bierfass angestochen und es gab fast niemand, der noch am Freitag morgen glaubte, Heidelberg könnte tatsächlich "durchfallen". Doch wie wir inzwischen wissen, es kam alles anders und wieder einmal bewahrheitet sich das alte Sprichwort "Hochmut kommt vor dem Fall."

Diese kurze Betrachtung soll sich nicht mit der Frage, welchen Sinn solche Wettbewerbe um angebliche Exzellenz haben, ob eine reine Fokussierung auf die Forschung zielführend ist oder gar mit der Frage, ob in Deutschland Exzellenz auf Kosten der breiten Masse gefördert wird, beschäftigen. Vielmehr stellt sich die Frage, was die Entscheidungen vom letzten Freitag zeigen. Und hier scheint es, als ob das Signal lautet: weg von der Volluni hin zu Spezialisierung. In der dritten Säule1 basieren zwei der drei ausgewählten Konzepte auf einer reinen Spezialisierung. Sieht so also die Zukunft der deutschen Universitäten aus?

Lediglich 3 von 35 geförderten Projekten sind den Geisteswissenschaften zuzuordnen. Selbst unser Rektor, der wahrlich nicht immer ein Verfechter der Volluniversität war und ist, sieht sich genötigt, die Universität Heidelberg mit den Worten zu verteidigen "Wir werden das Prinzip der Volluniversität nach 620 Jahren nicht aufgeben...". Natürlich lässt sich trefflich darüber streiten, inwieweit die Uni Heidelberg überhaupt noch eine Volluniversität ist - man muss sich nur einmal die systematische Benachteiligung der kleinen Fächer in der Altstadt anschauen - aber im Vergleich zu vielen anderen Universitäten im Exzellenzwettbewerb kommt sie diesem Anspruch noch zumindest nahe.

In der zweiten Runde des Wettbewerbs soll nun laut Universitätsleitung vermehrt auf die Geisteswissenschaften gesetzt werden. Besonders wir Studierende wissen, dass unser Rektor des öfteren sehr wechselhaft in seinen Ansichten ist, trotzdem hier sollten wir ihn alle beim Wort nehmen. Denn nur, wenn Heidelberg verinnnerlicht, dass im Konzept der Volluniversität Zukunft liegt und diese Botschaft auch in die Öffentlichkeit transportieren kann, wird der Abbau und die Ausdünnung der Fächervielfalt gestoppt werden. Es bleibt zu hoffen, dass das Bekenntnis zur Volluniversität kein leeres Versprechen bleibt oder dieser Anspruch auf Druck der Experten der Exzellenzinitiative aufgegeben wird, denn dann verliert die Uni Heidelberg mehr als einen Wettbewerb um angebliche Exzellenz, sie verliert ihre Identität.


1 Das Exzellenzprogramm besteht aus drei Säulen: aus der Förderung von Graduiertenschulen, von Exzellenzclustern und von Zukunftskonzepten zur Optimierung der Rahmenbedingungen. [Zurück]

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