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Rede zur Erstibegrüßung zum Sommersemester 2001

Einen schönen guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren der Stadt, der Presse, der Verwaltung, des Lehrkörpers und des des Rektorats...

Und Hallo liebe Erstsemester!

Mit stolz geschwellter Brust begrüße ich Euch im Namen der Fachschaftskonferenz, der FSK, dem Zusammenschluss der Fachschaften dieser Universität.

Die meisten von euch haben jetzt erst mal die erste Hürde geschafft - die Immatrikulation. An der Uni Heidelberg werdet ihr studieren - an der Ruperto Carola, der ältesten Universität der Republik. Bereits auf S. 13 des Personalverzeichnisses werdet ihr eine Liste der Nobelpreisträger eurer neuen Alma mater finden. Im Rahmen der Begrüßungen heute und auch in anderen Broschüren werdet ihr Einiges darüber finden, wie herausragend hervorragend die Uni Heidelberg ist. Einige werden jetzt schon stolz darauf sein, in Heidelberg, an dieser traditionsreiche Universität, zu studieren.

Doch: "Stolz" beinhaltet immer auch, dass man stolz auf sich ist:

* stolz darauf, dass man sich nicht alles gefallen lässt und zu sich selbst steht

* stolz darauf, sich einzusetzen und vielleicht mit diesem Engagement sogar etwas zu bewirken

* und manche werden möglicherweise irgendwann einfach nur froh sein, ihr Studium - sei es in HD oder an einer anderen Hochschule - geschafft zu haben - oder es ohne Abschluss abzubrechen.

In der nächsten Zeit aber werdet erst mal einige Bekanntschaften machen, Erfahrungen sammeln und Entscheidungen treffen. Und dazu will ich euch ein paar eigene Erfahrungen mit auf den Weg geben:

1. Gestaltet euer Studium selber! -- Auch wenn ihr durch Gegenstandskataloge, Approbationsordnungen, Orientierungsprüfungen, Zwischenprüfungen, Bildungsguthaben, Sprachanforderungen etc. gegängelt werdet. Aber: gestaltet euer Studium auch mit anderen! Es ist auch und gerade bei steigendem Druck von außen wichtig und sinnvoll, in Gruppen zu arbeiten! Nehmt daher auch die Hilfen in Anspruch, die von den Instituten, Fakultäten, dem Zentrum für Studienberatung und Weiterbildung und den Fachschaften geboten werden! Das bezieht sich bei weitem nicht nur auf Prüfungsvorbereitungen. Es ist sehr wichtig, dass man von Studienbeginn an offen ist gegenüber möglichen Studienproblemen und Unsicherheiten. Und wenn es anderen genauso ergeht, lässt sich Manches verändern.

2. Nutzt die Zeit - überstürzt nichts! -- Ein schnelles Studium alleine bringt noch keinen Job, man sollte sich nicht durch anderslautende Berichte verrückt machen lassen! Lasst Euch nicht von Prognosen leiten. Sie lauten heute so und morgen so. Schnelligkeit alleine ist kein Indiz für Begabung und Leistungsstärke. Ein Semester mehr kann euch um die Erfahrungen und das Wissen eines Jahres bereichern. Fachwechsel ist übrigens - noch - nicht verboten - sondern in vielen Fällen sinnvoller als ein Festhalten am falschen Studium - selbst wenn ihr Baden-Württemberg dann gegen Studienende einen Tausender drauf legen müsst.

3. Wenn Ihr Fragen habt, dann stellt sie! -- Stellt sie, egal ob Ihr Komilitonen oder Komilitoninnen fragt, ob ihr im Institut, in Sprechstunden, bei der Fachschaft, in Dekanaten oder in der Verwaltung Fragen stellt. Nur, wenn Ihr fragt, bekommt Ihr Antworten. Lasst Euch dabei weder von Worthülsen abhalten, noch durch abfällige Blicke oder Kommentare. Und vor allem: seid hier nicht zu stolz!

Fragt solange bis Ihr eine Antwort habt. Und lasst euch möglichst alles schriftlich geben - in der letzten Zeit sind zahlreiche formale Hürden in Form von Fristen eingeführt worden. Bevor ihr eine überseht, lasst euch lieber schriftlich geben, dass ihr sie überstanden habt oder sie nicht für euch gilt. Gebt aber auch nicht zu früh auf - denn selbst Formbriefe der Verwaltung haben sich schon als falsch herausgestellt.

Zum Schluß: seid mißtrauisch aber auch neugierig und verliert nicht die Freude am Studium. -- Gebt nicht klein bei! - organisiert euch und eure Bedürfnisse innerhalb und außerhalb der Universität.

Sehr schön aus Sicht der Fachschaften wäre übrigens, wenn ihr euch in universitären Zusammenhängen, in Fachschaften oder Hochschulgruppen, studentischen Inititativen oder Hochschulgemeinden, in Studizeitungen, Theatergruppen, Chören und Orchestern und dergleichen einbringt. Das wäre gut für euch, denn ihr werdet selten in eurem Leben so viele Möglichkeiten haben, euch zu engagieren. Und vor allem wäre das gut für Eure Hochschule - und auf das, was ihr da macht, könnt ihr dann echt stolz sein. Selber zu etwas Ausserordentlichem beizutragen ist doch etwas anderes, als stolz auf etwas zu sein, das man nicht getan hat.

An den eigenen Abistreich denkt man ja auch lieber als an den des letzten Jahrgangs - und ausserdem war er ja wirklich der beste, oder?

Auf zu neuen Streichen!

Vielen Dank.


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Druckfassung

Erzeugt am 25.04.2001

unimut@stura.uni-heidelberg.de