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Sehnsüchtig erwartet (also das nehme ich jetzt einfach mal an, denn schließlich tun die in Fernsehen und Radio ja auch immer so, als ob sich Millionen von Menschen nur nach der neusten medialen Errungenschaft gesehnt hätten und diese Sehnsucht einzig mit einem gezielten Fingerdruck auf der Fernbediehung stillen könnten), hier nun die neuesten alten Notizen aus meinem leider längst verlassenen piso.

Oder

Akustische Impressionen

Oder

Was man halt so hört, wenn man den Fehler begeht und sich in der Wohnung aufhält

Von unten: a) von den Handwerkern: das allseits beliebt-bekannte Hämmern der Bauarbeiter, das sich in der Endphase der Konstruktion neuer Zivilisationen auf vereinzelte gezielte Schläge zu Beginn der Arbeitszeit (8 Uhr, wenn das Stockwerk drüber mit Studenten noch schläft) beschränkt, die höchstens wiederholt werden -- zum Beispiel mit leichtem, arhythmischen Angeträller auf der Schlagbohrmaschine -, um die Studenten, die trotz allem wieder in Morpheus' Arme gefallen sind, endgültig herauszureißen und ihnen die Nerven zu rauben, da für den Rest des Tages selbstverständlich (!) Ruhe herrscht. b) von den (Verzeihung!) Idioten aus dem ersten Stock: fast ausschließlich samstagvormittags lässt sich ihr Gebrülle oder überlaute Sprechgesangmusik oder aber überlaute Sprechgesangmusik kombiniert mit den Versuchen einer leider nicht zu glücken scheinenden Kommunikation in Harmonie (Gebrülle) oder Streit (GEBRÜLLE) genießen; ein Glück, das ich's wenigstens nicht verstehe!

Von draußen: a) Da unterhält sich eine Familie, sagen wir, die Frau schiebt ein Neugeborenes samt Kinderwagen durch die Straße, was dann von Vorbeikommenden positiv quittiert wird, so daß sich Freunde, dann Nachbarn und schließlich das ganze Viertel samt der Viertel-Katzen, die Freudengesänge anstimmen auf welche die Viertel-Hunde mit Ruhmeshymnen reagieren, um den neuen Erdenbürger scharen. b) Dann gibt es natürlich das fast schon niedliche Jubilieren der Schulkinderchen im colegio nebenan, die Müllabfuhr in jeder Nacht um 12 (selbst dran schuld, wer da daheim ist), die Krankenwagen, die über den Paseo fahren, Jugendliche einer Blaskapelle, die auch schon mal in ihrer Freizeit vorbeimarschierend üben...

Von nebenan: a) meine Nachbarinnen: keine Ahnung, wann die mal an der Uni sind oder studieren, denn der Fernseher läuft eigentlich immer; d.h., selbstverständlich in der ausgedehnten Siesta um 14 Uhr rum, weil da die Simpsons kommen, und vorher, weil ja gleich die Simpsons kommen und nachher, weil die Simpsons ja gerade eben erst gelaufen sind und man sich die Nachrichten eigentlich auch nicht entgehen lassen kann. Dasselbe Spiel, nur neben der ausgedehnten Siesta den ganzen Tag über, läuft am Wochenende, wo die Samstags-Filme im Ersten oder Dritten genossen und manchmal DVD geschaut wird; höherer und exzessiverer Konsum findet dann nur noch an den Wochenenden statt, wo die Lebensabschnittsgefährten da sind. Das hat dann den Vorteil, das sonore Stimmen die Wand ihres Wohnzimmers zu meinem Domizil vibrieren lassen und nicht mehr das antike Ringel-Klingeln ihres alten Festnetztelefons oder das moderne Biep-Fiepen des Handys. b) Von Alessandro: Musik aus seinem Zimmer -- auch schon mal als unwillkommener Weckservice eingesetzt- , während er selbstverständlich in der Küche ist und Fernsehen auf Lautstärke 24 schaut bei offenem Fenster zum Innenhof, so daß ich die spannende Kombination von spanischer TV-Werbung mit den verspannten Stimmorganen entweder von irgendwelchen Bewohnern im ersten Stock, die meinen, ihre persönlichen Spannungen herausschreien zu müssen, oder von besuchenden Müttern, die laut palavernd die Wäsche auf die gespannten Leinen aufhängen, genießen kann.

Von überall: Waschmaschinengerumpel auch um Mitternacht!

Aber das ist normal, denn schließlich sind wir in Spanien, und deshalb stelle ich jetzt auch eine Waschmaschine an, auch wenn's schon 22Uhr ist, und helfe meiner Nachbarin, die ihr Zimmer neben unserem Bad hat, zu süßeren Träumen, denn das Plätschern der Dusche soll ja beruhigende Wirkung haben, vor allem nachts und vor allem, wenn ihr Schlaf gleich dreimal unterbrochen wird, weil José, Alessandro und ich zu unterschiedlichen Zeiten nach Hause kommen.

Und wie immer schließe ich mit dem Aufruf, mir zu schreiben.
Spanien-Michael
FachSchaftsKonferenz
Zentrales Fachschaftenbüro - ZFB
Albert-Überle-Straße 3-5
69120 Heidelberg

Tschüß; euer Michael

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