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UNiMUT aktuell -- April 2009

Germanistik streicht aus Versehen Latein

5 Kohorten in 5 Minuten (08.04.2009)

Am 7. April hat der Senat der Universität Heidelberg getagt. Es handelte sich um eine normale Sitzung mit einer normalen Tagesordnung. Und gerade deshalb lohnt ein Blick auf einen dieser ganz normalen Tagesordnungspunkte einer ganz normalen Senatssitzung: Unter TOP 16 bis TOP 20 werden 4 Prüfungsordungen (POen) aufgeführt, zwei Zulassungsordnungen und zwei Auswahlsatzungen, welche alle in dieser Sitzung abzustimmen waren - nicht zu vergessen die Einrichtung eines neuen Studiengangs.

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Die Verabschiedung derartiger Ordnungen und Satzungen ist nicht ungewöhnlich -- zumal in der letzten Zeit. Dass aber hierfür nur 5 Minuten vorgesehen sind, sollte zu denken geben. Ersichtlich wird diese haarsträubende Zeitplanung anhand der Zahlen am Rand der Tagesordnung. Dort steht oben die zeitliche Terminierung 17.45 und unten 17.50 -- das ist die Zeitspanne, innerhalb derer diese 5 TOPs, also alle diese Ordnungen behandelt und abgestimmt werden sollten - der Vermerk "alle" räumt jeden Zweifel aus. Eine durchschnittliche Bachelor-Prüfungsordnung kann um die 20 Seiten Länge haben, wenn ein Modulhandbuch dabei ist, werden das locker 40 Seiten. Da jede PO für mehrere Studierendengenerationen halten sollte, kann jede von ihnen das Studium von einigen Kohorten von Studierenden bestimmen. Hierfür nur 5 Minuten vorzusehen, ist nur dann nicht gewagt, wenn man wirklich allein auf den rein formellen Vorgang des Abstimmens abgesehen hat. Davon abgesehen, dass es schon dreist ist, 5 Tagesordnungspunkte auf einmal durchzuziehen, ist eine gewissenhafte Bearbeitung eines solchen Tagesordnungspunktes in diesem Zeitrahmen schlechterdings nicht möglich.

Nun mag man einwenden, dass Prüfungsordnungen doch wohl gut vorbereitet in den Senat kommen: Bevor sie dorthin kommen, werden sie schließlich im Senatsausschuss für Lehre und Prüfungsangelgenheiten ( SAL ) behandelt und bei Mängeln gar nicht an den Senat weitergeleitet, sondern an den Fakultätsrat der zuständigen Fakultät zurückgegeben. Der Fakultätsrat hat die PO -- zumindest im Idealfall -- nämlich auch schon einmal beraten und zwar auch erst, nachdem sie in der zuständigen Studienkommission beraten wurde. Und sollte die PO vom SAL an die Fakultät zurückgehen, so kann der Fakultätsrat sie auch erst wieder an die Studienkommission zurück geben.

Wer nun aber meint, dass diese Ordnungen in den anderen Gremien, oder evtl. sogar im Fach selber, sicher gut vorbereitet wurden, irrt. Zumindest bei den meisten Prüfungsordnungen: In vielen Fächern wird in Prüfungsordnungen keine Energie, kein Engagement -- und natürlich erst recht keine Zeit -- gesteckt. Studierende und Angehörige des Mittelbaus müssen auf dieser Ebene nicht beteiligt werden, sie haben erst ab der Ebene der Fakultät Mitwirkungsrechte. Manchmal werden POen auch per Eilentscheid der hierzu Berechtigten ohne Gremienbeteiligung an die nächsthöheren Gremien weitergeleitet oder gleich in Kraft gesetzt. Oder in der Tagesordnung einer Sitzung wird gleich darauf hingewiesen, dass der Vorsitzende nur beschränkt Zeit hat -- und damit durch die Blume gesagt, dass alles, was nicht in der Sitzung erledigt werden kann, per Eilentscheid durchgewunken werden wird.

Gerade vor dem Hintergrund, dass es Fakultäten wie die Fakultät für Mathematik und Informatik gibt, an der es ganze Wochenendworkshops von Lehrenden und Studierenden zur Erarbeitung einer neuen Lehramts-PO gibt, stößt es bitter auf, wenn in anderen Fakultäten die Studienkommission gar nicht erst tagt oder in einer anderen Kommission früher immer nur zwei Stunden tagte, weil die damalige Studiendekanin dann (am Mittwoch...) heim nach Berlin fahren musste.

Verschlimmert wird das Verfahren, indem aus Studiengebühren Leute finanziert werden, die den Fakultäten den Verwaltungsaufwand abnehmen sollen, jedoch vom Fach, der Prüfungsordnung und selbst von Verwaltung keine Ahnung haben -- aber abstimmungsfähige Papiere liefern. Tatsächlich werden Prüfungsordnungen meist als Verwaltungssache abgetan und nicht als das erkannt, was sie sind: Regelungen, die ein sinnvolles Studium ermöglichen sollen und nach denen ein Lehrangebot gestaltet werden kann - und sollte. Offiziell setzen die POen sogar den sogenannten Bologna-Prozess um werden als ein Dokument der Innovationskraft der Uni Heidelberg verkauft -- auf solcherlei medial verbreitete Mogelpackung soll hier lieber erst gar nicht eingegangen werden...

Oft wird darauf hingewiesen, dass an der Beschlussfassung -- also an den paar Minuten Händchenheben im Gremium -- doch auch Studierende beteiligt waren. Ob nun Studierende nichts sagen oder ProfessorInnen oder Angehörige des Mittelbaus - ändert eigentlich nichts, aber die Taktik ist durchschaubar - durch diese Äußerung wird suggeriert, dass die Studiernden in den Gremien an der Erarbeitung beteiligt gewesen wären und den POen zugestimmt hätten. Was seitens der ProfessorInnen oft gar nicht gewollt wird, denn institutsintern wird nicht selten die Bitte der Fachschaft, an der Erarbeitung einer PO mitwirken zu können, damit abgetan, dass die Lehrenden doch viel mehr vom Studium verstünden. Oder - so in der Germanistik - dass es nicht möglich sei, den Emailverteiler, mit dem zu den entsprechenden Treffen eingeladen wird, um die Adresse der FS zu erweitern. Studentische Mitwirkung ist in vielen Fächern nur dann gerne gesehen, wenn sie Entscheidungen, die bereits in Direktorien oder anderen Zirkeln gefallen sind, legitimiert. Studierende sind viel zu oft bei Fragen von Studium und Lehre nur noch als Winkelemente im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenden Beratungsfolklore vorgesehen. Auf die Ausnahmen (s.o.) sei hier ausdrücklich verwiesen - es ginge also nicht nur, es geht auch anders. Leider ist aber auf der letzten entscheidenden Ebene, der Senatsebene, kaum mehr Zeit vorgesehen. Das Rektorat hat bekanntlich andere Schwerpunkte als Lehre ...

Zurück zur Senatssitzung am Dienstag: dort wurde nun eine Romanistik-Master-PO verabschiedet, die de facto finanziell besser gestellte Studierende bevorteiligt. Dies wurde von den Studierenden wiederholt angesprochen -- stieß jedoch nicht auf Resonanz: nun wird nun ein längerer Auslandsaufenthalt vorm Studium verlangt, obwohl klar ist, dass man für solch einen Aufenthalt auch Geld braucht und damit Leute, die nicht so reich sind, dieses Kriterium kaum erfüllen können. Dies in eine Kann-Bestimmung umzuformulieren so die, die es sich nicht leisten können, nicht zu benachteiligen, wurde abgelehnt. Fairerweise muss man sagen, dass einige weitere Härten dank des Einsatzes studentischer Gremienmitglieder gemildert werden konnten -- alle Kritikpunkte jedoch können Studierende nie einbringen, da die Zeit der übrigen Gremienmitglieder hierfür nicht reicht. Auch die Tatsache, dass die meisten ProfessorInnen die Unterlagen vor der Sitzung nicht lesen und nur gucken, wie die KollegInnen des Fachs stimmen, macht eine produktive, zielorientierte Diskussion nahezu unmöglich.

Immerhin können Studierende auf diese Weise auch mal Glück haben: so hat die Germanistik zum Sommersemester ungewollt das Latinum und den Nachweis zweier Fremdsprachen aus ihrer Prüfungsordnung gestrichen -- vermutlich stand es in der copy-und-paste-Vorlage nicht standardmäßig drin. Wer weiß, wie sehr die Lehrenden in der Germanistik das Latinum hochhalten, weiß, dass es keinen stärkeren Beweis dafür gibt, dass diese PO von keinem Professor und keiner Professorin gelesen geschweige denn geschrieben wurde.

Es gab dennoch einige Leute, die ernsthaft glaubten, dass die Germanistik als erstes Fach in Heidelberg die Zeichen der Zeit verstanden hätte und sich als progressives Fach präsentieren wollte, das es den Studierenden frei stellt, ob sie Türkisch, Latein, Isländisch oder gar keine Fremdsprache lernen. Dem war definitiv nicht so: am 8. April hat die Germanistik in der Studienkommission der Neuphilolgoischen Fakultät eine Änderung der PO beantragt und -- selbstverständlich unter Beteiligung der Studierenden -- auch die nötige Mehrheit in der Kommission bekommen (es gab ein paar Gegenstimmen, aber selbstverständlich nur von Leuten, die von solchen Dingen nicht so viel verstehen). Sobald dieser Änderungsantrag am 22. April 2009 im Fakultätsrat und danach im SAL durchgewunken sein wird, wird es einmal mehr im Senat einen TOP "Prüfungsordnungen" geben. Und eine Minute zum Durchwinken.

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Dieser Artikel wurde zitiert am: 09.04.2009

Nur wann - und wozu eigentlich?

Rektor richtet Sprechstunde ein (09.04.2009)

Man soll, so ein bekannter Allgemeinplatz, nicht über die Leute, sondern mit ihnen reden. Fast könnte man meinen, dass der Rektor der Uni Heidelberg - nach ein paar Semestern und einigen Inititativen - auch gemerkt hat, dass man hin und wieder als Rektor mit den Studierenden reden sollte. Doch genaueres Hinsehen zeigt eher, dass wohl nur die Berichterstattung über Mogelpackungen den Rektor - und sei es unbewusst - bewogen hat, so zu tun, als ob er eine Sprechstunde einrichtet. Es bleibt nur unklar, warum und wann eigentlich.

Gespräche

Bernhard Eitel, der Rektor der Universität Heidelberg will mit den Studierenden ins Gespräch kommen und richtet hierzu eine Sprechstunde ein. Dies ließ er den Studierenden am 8. April per Massenmail mitteilen: "Die Sprechstunde findet in diesem Sommersemester am Dienstag, 16. April 2009, von 13:30 -14:30 in meinen Büroräumen in der Alten Universität statt." Man beachte die Abweichung von der ansonsten im akademischen Bereich üblichen Verwendung des Wörtchens "Sprechstunde": die Sprechstunde findet nicht dienstags statt, sie findet an einem Dienstag, am 16. April, statt. Und zwar genau von 14.30 bis 15.30. Das ist aber eigentlich egal, denn einen Dienstag, den 16. April, gibt es 2009 gar nicht. Vielleicht meint der Rektor Donnerstag, den 16. April, oder Dienstag, den 14. April. Oder er meint es gar nicht ernst, aber dann hätte er die Mail am 1. April geschrieben... wie aber zu zeigen sein wird, ist es eigentlich völlig egal, wann die Sprechstunde stattfindet: der Rektor hat den Studierenden ein Zeichen gegeben und dies gilt es zu deuten.

Rechnerisch hat der Rektor also - wir gehen abgerundet nach Eigenangaben der Universität Heidelberg von 27.600 Studierenden aus - also um die 0,002 Minuten oder 0,13 Sekunden pro Studi für ein Gespräch. Unter Gespräch wollen wir im Folgenden, um eine allgemein akzeptierte Definition zu verwenden, "eine begrenzte Folge von sprachlichen Äußerungen, die dialogisch ausgerichtet ist und eine thematische Orientierung aufweist", verstehen. Nimmt man "Gespräch" als Textsorte ernst und geht auch davon aus, dass Eitel, der studierte Germanist, der gerne auf seine sehr guten Leistungen im 1. Staatsexamen verweist, es auch ernst meint, wird er in seiner Sprechstunde dann kaum mehr als 8 Studierende empfangen können. Lässt man die Begrüßungs- und Abschiedsfloskeln weg, vielleicht um die 10 Studierende. Und selbst, wenn man von sehr einsilbigen Gesprächen ausgeht, wird er nie auf über 20 Gespräche kommen - es sei denn, er ließe auch noch die thematische Orientierung weg. Aber so gut kennen wir Eitel, dass er mehr als "Ich Rektor - Du Studi" sagen will. Glaubt der Rektor nun, dass nur so wenige Studierende mit ihm reden wollen? oder will er nur mit so wenigen reden? In der Mail ist von Sprechstundenplätzen die Rede -- um wieviele mag es wohl gehen? Auf jeden Fall kann Eitel nur mit einigen wenigen Studierenden und nicht mit den Studierenden ins Gespräch kommen. Wozu also eine Massenmail? Und warum sollen eigentlich ein paar Studierende zum Rektor in eine Sprechstunde kommen?

Wissenseifer, Neugierde, Engagement, Anliegen und Anregungen

Studierende sind nach Eitels Mail (1.) ein Teil der Universität und tragen als solcher (2.) durch Wissenseifer, Neugierde und Engagement dazu bei, dass die Universität (3.) zur lebendigen Einheit von Forschung und Lehre und damit (4.) zur gelebten universitas wird. Klingt leicht alchemistisch, denn wie genau aus Studis (+ Wissbegierde etc.) und anderen (wievielen eigentlich?) Teilen dann die lebendige Einheit und gelebte universitas wird (und worin der Unterschied liegt), bleibt unklar. Das ist aber auch nicht so wichtig, denn darum geht es gar nicht! Es geht vielmehr darum, dass sich das in neuen Toiletten, Beamern und W-Lan für die Neue Universität materialisiert (vornehm formuliert: in der Sanierung der Neuen Universität unter dem Motto "Dem lebendigen Geist. Neue Universität 2011+"); zumindest "hoffentlich". Was das jetzt genau soll, bleibt auch unklar - aber wir erkennen, dass der Rektor grundsätzlich eine hohe Meinung von Studierenden und der Sanierung der Neuen Universität hat.

Auch ist seine Hoffnung auf diese komplexe, auch im österlichen Kontext nicht ganz nachvollziehbare, Umwandlung von aktiven studentischen Teilen in Einheiten und Leben - und analog in sanierte Gebäude - nicht so stark, dass er alleine darauf setzen würde. Denn eigentlich will er - was bisher also wohl noch nicht geschah - den Anliegen der Studierenden nachgehen und ihre Anregungen aufgreifen. Hierzu bietet er jetzt diese Sprechstunde. Das ist löblich und verdient wie auch der offene Zweifel an seinen einleitenden Ausführungen unseren Respekt. Allein, die Frage bleibt: wie will er in der kurzen Zeit von einer Stunde in 6 Monaten ins Gespräch mit den Studierenden kommen? Und worüber wollte er eigentlich reden? Doch wohl nicht über die längst beschlossene Sanierung der Neuen Universität...

"universitas"

Überlegen wir im Folgenden nicht weiter, worüber, sondern wozu es für den Rektor interessant sein könnte, Gespräche zu führen - denn an allen machbaren Anregungen und Anliegen kann es ihm rechnerisch gar nicht gelegen sein. Hierzu sollten wir uns den ersten Absatz seiner Mail - der nach unserer bisherigen Lektüre funktionslos wäre - nochmals ansehen. Obwohl das Fach Mittellatein in Heidelberg gerade abgeschafft wird, verwendet der Rektor hier ein mittellateinisches Wort - wenn das kein Hinweis ist! Die Rede ist von gelebter universitas. "universitas" steht im Mittelalter für Gemeinschaft oder Zusammenschluss einer erkennbar zusammengehörigen Personengesamtheit - zum Beispiel die Innung der Bäcker oder den Zusammenschluss der Metzger. In den mittelalterlichen Städten gab es viele derartige Zusammenschlüsse, darunter in den Städten mit Hohen Schulen auch die Zusammenschlüsse der Magister und Scholaren. Sie gelten als die Keimzellen der mittelalterlichen Universität. Gegen Ende des Mittelalters steht universitas nach leichter Bedeutungsveränderung dann auch für die Institution bzw. die Gebäude, in denen diese tätig sind. Eitel spricht daher sicher bewusst von "gelebter" universitas, bevor er anschließend auf die Gebäudesanierung am Uniplatz kommt. Er meint also die Menschen - was genau aber kann das heißen?

In Bologna zum Beispiel - wir befinden uns schließlich im sogenannten Bologna-Prozess, daher ist die Assoziation sicher angebracht - in Bologna also umfasste die universitas alle Scholaren (d.h. die Lernenden - die Lehrenden wurden in den collegia zusammengefasst). Aus ihrer Mitte wurde der Rektor gewählt, die Scholaren bezahlten die Lehrenden und legten sogar Lehrinhalte fest. Die studentischen Vollversammlungen stellten eine Art Universitätsparlament dar. So etwas (Stichwort: Verfasste Studierendenschaft (VS)) ist in Baden-Württemberg gar nicht vorgesehen - will der Rektor es etwa einführen? Wohl nicht, denn Bologna-Prozess steht für das Heidelberger Rektorat - und viele andere - bisher dafür, dass der Bildung der Prozess gemacht wird und Studieninteressierte durch feinsinnig unsinnige Auswahlverfahren auch noch von den verbliebenen Bildungsresten fern gehalten werden. Warum das gerade Bologna-Prozess heißt, bleibt - wie so vieles - unklar.

Denn es gibt sogar Vereinbarungen, nach denen im Rahmen des sogenannten Bologna-Prozesses auch Mitbestimmung - Mitbestimmung aller Gruppen an der Hochschule - und neue Formen von Lehren und Lernen angestrebt werden. Dies wird jedoch - wir wollen hier schließlich nicht unterstellen, dass die EntscheidungsträgerInnen, auch wenn sie Gremienunterlagen meist nicht lesen, gar nicht lesen können - ignoriert. Die bestehenden Möglichkeiten der Mitwirkung werden an der Universität Heidelberg nicht dafür genutzt, kontrovers und konstruktiv eine umfassende Reform des Studiums und eine Neugestaltung von Lehr- und Lernprozessen anzugehen - die wenigen Bereiche, in denen dies ansatzweise geschieht, ändern daran insgesamt nichts. Andere Universitäten haben Prorektorate für Studierende oder für das Studium - die Uni Heidelberg hat zwar ein Prorektorat für Lehre und Kommunikation - aber Kommunikation über Lehre findet auf Rektoratsebene nicht statt - vor allem nicht mit Studierenden - deren Beteiligung in Sachen Lehre auf Uniebene kann man vergessen .

Was tun?

Wer meint, dass das ja wohl nicht wahr sein kann und schleunigst zu ändern ist, sollte sich in den Fachschaften engagieren, um Missstände von der Basis an zu bekämpfen oder in eine Hochschulgruppe gehen, sei sie politisch oder religiös, um das ganze grundsätzlich anzugehen. Und wer der Ansicht ist, dass das alles zur Zeit nicht mehr ausreicht und man nicht mehr länger zugucken kann, wie nicht nur in Heidelberg die Bildung vor die Hunde geht, möge folgenden Termin vormerken: Bundesweiter Bildungsstreik vom 15. bis zum 19. Juni. Es gibt zwar Leute, die alle, die daran teilnehmen, als "dumm" bezeichnen, da Streiks angeblich nichts bewirkten oder das Wort "Streik" völlig unpassend sei. Aber dann wäre, wer sich für die erwähnte Sprechstunde des Rektors zu einem Gespräch anmeldet, erst recht dumm. Das soll hier aber nicht weiter diskutiert werden, es kann auch beides dumm sein.

Während die Studierenden aus der Sprechstunde aber von Vorneherein nichts mehr rausholen können, kann man bis zum Bildungsstreik noch etwas gegen die Dummheit tun: indem man sich einarbeitet, mit anderen berät, hier oder dort mitmacht, Aktionen mit vorbereitet und "Bildungsstreik" so mit Inhalt füllt, dass es stimmt. Als erste Maßnahme kann man auch am Montag, den 20. April um 20.00 Uhr zur Vollversammlung in die Neue Uni, Hörsaal 13 kommen (vielleicht vorher noch zur Demo gehen, 18:00, ab Bismarckplatz). Und das wirklich Gute ist: Anmeldung ist beim Bildungsstreik nicht erforderlich, mitmachen können alle!

PS: Wo der Rektor recht hat, hat er recht: ohne das Engagement der Studierenden ist die Uni irgendwie leblos...

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Am 29. April auf nach Leipzig!

Studiengebühren wegfedern (25.04.2009)

Bundesweit wird dieser Tage zu einer Kissenschlacht aufgerufen - und zwar anlässlich einer Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am 29. April 2009. Worum geht es in dieser Verhandlung? Es geht darum, ob einzelne Bundesländer mit der Einführung von Studiengebühren gegen geltendes Internationales und Bundesrecht verstoßen.

Eingereicht wurde die am 29. April zu behandelnde Klage durch den AStA der Uni Paderborn, der sich dabei auf den internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (kurz: UN-Sozialpakt) und dort vor allem auf den Paragraphen 13 Punkt 2c bezieht. Dieser besagt Folgendes: (2) "Die Vertragsstaaten erkennen an, daß im Hinblick auf die volle Verwirklichung dieses Rechts" (c) "der Hochschulunterricht auf jede geeignete Weise, insbesondere durch allmähliche Einführung der Unentgeltlichkeit, jedermann gleichermaßen entsprechend seinen Fähigkeiten zugänglich gemacht werden muß".

Durch das Zustimmungsgesetz vom 23. November 1973 ist der Pakt als Bundesgesetz verkündet worden und am 03. Januar 1976 in Kraft getreten. Sollte also am 29. April 2009 das Bundesverwaltungsgericht die Ansicht teilen, dass unentgeltlich gerade nicht gebührenpflichtig bedeutet, so wären u.a. allgemeine Studiengebühren in der gesamten Bundesrepublik hinfällig. Verschiedene Verbände und Studierendenvertretungen laden für den 29.4. nach Leipzig ein, der Unimut dokumentiert diese Einladung im Folgenen.

Auf nach Leipzig - Soziale Kämpfe anders lösen

Dass Studiengebühren sozial selektiv wirken und deshalb die Unentgeltlichkeit des Studiums zu Recht ihren Platz im UN-Sozialpakt findet, ist längst erwiesen. Dies wird aber von der Mehrzahl der politisch und juristisch Agierenden in Deutschland nicht ernst genommen. Dieser Prozess darf daher nicht unbeachtet bleiben! Zu oft wird jede Argumentation gegen Studiengebühren, sei sie politischer oder rechtlicher Natur, ausgebremst und scheitert an den Rahmenbedingungen; diesmal darf sich das nicht wiederholen!

Aus diesem Grund wollen wir laut und bunt dem Gericht, den an der Klage Beteiligten und der Bevölkerung zeigen, was wir von der Politik der Gebührenländer und anderer BildungsprivatisiererInnen halten. Wir wollen mit einer Kissenschlacht zeigen, dass soziale Konflikte auch anders lösbar sind! Sie soll symbolisieren, wie Studiengebühren und Ökonomisierung von Bildung die Studieninteressierten zwingen, im ständigen Konkurrenzkampf gegeneinander anzutreten. Dies gilt jedoch nicht nur für das Studium, sondern auch für die anderen im Pakt garantierten, nun unter ökonomischen Vorbehalt stehenden Rechte, so die Gleichstellung, das Recht auf Arbeit und angemessenes Entgelte, Pausen und eine Begrenzung der Arbeitszeit, Sicherung der gewerkschaftlichen und der Streikrechte oder der Schutz vor Hungerschutz, auf Gesundheit oder kulturelle Teilhabe.

Kommt am 29. April 2009 ab 10:30 Uhr nach Leipzig auf den Simsonplatz vor dem Bundesverwaltungsgericht und zeigt den Politiker_innen dieses Landes mit euren Kissen, was ihr von Studiengebühren und sozialer Ausgrenzung von Menschen haltet! Seid laut, seid bunt und federt Studiengebühren weg!

Seid laut, seid bunt - und bringt viele Kissen mit!

Das Referat für Studienreform der Fachschaftskonferenz (FSK) organisiert einen Bus zur Verhandlung. Meldet euch bei Interesse bei studienreform@fsk.uni-heidelberg.de. Weitere Infos gibt es bei der zweiten VV zur Vorbereitung des Bildungsstreiks am kommenden Montag, 27.4., um 20.00 in Hörsaal 13 der Neuen Uni. Kommt zahlreich !

Nachtrag: ABFAHRT: Di, 28.4., 18:45, HD Hbf, vor McDonalds; Kissen wurden verboten - bringt Wasserpistolen mit!

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Nachfragen, Nachlesen, Nachhören, Nachsehen

Wusstet Ihr schon... (26.04.2009)

...dass der Fahrkartenkiosk des RNV am Bismarckplatz geschlossen werden soll? Grund: die Nachfrage nach Tickets dort ist zu groß, so dass sich dort zu lange Schlangen bilden. In Zukunft sollen diese Leute ihre Tickets an Automaten kaufen und anderes, wie den Kauf von Monatstickets oder Fragen, am Hauptbahnhof klären. Und da denkt man immer, Nachfrage sei gut für einen Standort...

...dass das Frauennachttaxi (FNT) eingestellt werden könnte? Grund ist auch hier die große Nachfrage und dass die Fahrten seit Einführung des FNT immer teurer wurden, die Zuschüsse aber gleich blieben. Das FNT ermöglicht Frauen, die sich einen entsprechenden FNT-Schein für 6 Euro/Fahrt gekauft haben, nachts mit dem Taxi nach Hause zu fahren, die restlichen Kosten tragen Stadt und Taxizentrale. Die Nachfrage ist groß - 2008 wurde es 12.549 mal genutzt. Wer die miserablen Nachtverbindungen des ÖPNV kennt, kann nur hoffen, dass das FNT nicht gestrichen wird.

...dass die FSK vom 25.-29. Mai eine Umfrage zum Semesterticket durchführt? Auch hier soll es um die Qualität der Verbindungen gehen - denn es tut sich gerade einiges in Sachen Semesterticket. Leider nicht immer zum Besten... Infos findet ihr bei der FSK

...dass es jetzt eine Möglichkeit gibt, in Heidelberg gebrauchte Bücher zu kaufen und zu verkaufen? der Buchbasar der FSK macht´s möglich und auf den Bus wartet man oft genug...

...dass, wer lieber zuhört, anstatt zu lesen, viele der spannendsten Podiumsdiskussionen, die in Heidelberg in den letzten Semestern gelaufen sind, auf der Homepage des Heidelberger Forums nachhören kann?

...dass ihr das, was in der letzten Woche in Heidelberg so passiert ist, zum Teil nachschauen könnt? hört doch selbst

Walter I. Schönlein

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Bericht aus der Romanistik

Romanisches Seminar der Universität Heidelberg besetzt (29.04.2009)

Gerne dokumentiert der Unimut im Folgenden einen Bericht aus dem Romanischen Seminar:

Seit Dienstagabend, den 21. April, wurde das Romanische Seminar aufgrund unzumutbarer Studienbedingungen besetzt. Während der Besetzung haben die Studierenden in Eigeninitiative spezifische Forderungen an die Seminarleitung, das Rektorat und das Wissenschaftsministerium formuliert. Eines der schwerwiegendsten Probleme ist, dass der Grundbedarf der Lehre nicht aus Landesmitteln, sondern zum größten Teil aus Studiengebühren finanziert wird. Dies entspricht nicht deren eigentlichem Verwendungszweck. Trotz dieser Finanzierung werden immer noch zu wenig Lehrveranstaltungen angeboten, was zur Folge hat, dass Seminare, die auf etwa 25 Teilnehmer angelegt sind, oftmals von mehr als 100 Studierenden besucht werden müssen. Die Regelstudienzeit einzuhalten wird unter diesen Bedingungen für viele unmöglich. Es werden also unter anderem mehr Transparenz, verbunden mit einem besseren Informationsfluss, und eine nachhaltigere Stellenpolitik im Mittelbau gefordert.

Die Besetzung verlief friedlich und konstruktiv. Es fanden Diskussionsrunden mit den Professoren und den Dozenten statt, man tauschte Meinungen aus und besprach das weitere Vorgehen. Am Freitag wurden in einer seminarinternen Konferenz Sondierungsgespräche geführt, aus denen eine öffentlich unterschriebene Absichtserklärung hervorging. In dieser Erklärung wurde die Erfüllung einiger der geforderten Punkte in Aussicht gestellt. Das nachfolgende Plenum beschloss aufgrund dieser ersten Erfolge, die Besetzung bis Dienstag, den 28.04., zu unterbrechen. Da Studierende, Professoren und Mittelbau eine geschlossene Position erarbeiten konnten, geht es am Dienstagmittag im Gespräch mit Rektor Eitel darum, weitere längerfristige Maßnahmen einzufordern. Sollte dieses Gespräch keine der gewünschten Veränderungen in Gang bringen, sind die Studierenden des Romanischen Seminars jederzeit dazu bereit, die Besetzung wieder aufzunehmen, um erneut Druck aufzubauen. Auch auf Landesebene sind Gespräche geplant; es besteht bereits Kontakt zur Landtagsabgeordneten der Grünen, Theresia Bauer.

Die intensive Arbeit der letzten Tage endet also auf keinen Fall mit der möglichen Beendigung der Besetzung, sondern wird in gleicher Weise auch in Zukunft fortgesetzt werden, solange, bis eine deutliche Verbesserung der Situation am Seminar eingetreten ist. Die angesprochene Problematik ist nicht auf diesen einen Fachbereich beschränkt, ähnliche Probleme gibt es auch in vielen anderen Instituten. Für alle Interessierten finden sich auf der Fachschaftsseite weitere ausführliche Informationen.

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