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UNiMUT aktuell: Noch ne Definition von Reform

Noch ne Definition von Reform (10.11.98)

Hochschulreform will jeder machen. Auch die TU Dresden -- und die gibt sich, gemeinsam mit dem schon öfter durch studifeindliche Propaganda aufgefallenen Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, keine große Mühe bei der Tarnung ihrer Absichten.

In einer Presseerklärung von gestern verkündet die TUD-Pressestelle, als "eine der ersten deutschen Universitäten" habe die TUD "eine die ganze Hochschule umfassende Kosten- und Leistungsrechnung" eingeführt -- was zunächst nicht so schlimm wäre, hätte nicht der Stifterverband dies zum Anlass genommen, die TUD dafür zu einer "Reformuniversität" zu prämieren. Niemand will bestreiten, dass etwas kontrollierterer Mitteleinsatz an Hochschulen nicht verkehrt ist, doch eine Reform sollte doch wohl vor allem bei Inhalten oder Entscheidungsstrukturen ansetzen. Dass nämlich etwa über Investitionen in Studiengänge nach Maßgabe der zu erwartenden Restdienstzeit des/der Lehrstuhlinhabers/in entschieden wird, wissen wir auch ohne die Kostenrechnung, "effizient" oder sachdienlich ist es aber ziemlich sicher nicht, wenigstens, wenn mensch die Uni über die Studis definiert.

Doch genau von den Studis ist in der Presseerklärung nur im Titel die Rede: "Wie viel kostet ein Student?" wird da provokativ gefragt, die Antwort aber verschwiegen. Ein Studi kostet per se nichts, die Profs kosten. Aber diese, "Rektoren, Präsidenten und Kanzler, aber auch Vertreter aus Wissenschafts- und Finanzministerien ganz Deutschlands und den Nachbarländern Österreich und Schweiz", so die Presseerklärung, informierten sich lieber mal über das Dresdner Projekt, auf Unikosten, versteht sich.

Und so braucht sich auch niemand über einen Satz wie "Aber auch jeder einzelne Professor soll von der Kosten- und Leistungsrechnung profitieren." zu wundern. Wer sollte auch sonst von einer "Reform"-maßnahme profitieren. Ja, wer?

Wann nur, wann, wird in der ganzen Reformdebatte endlich mal gefragt, ob die RektorInnenen und ihr Anhang, gar die VertreterInnen der Ministerien, überhaupt irgendeine Kompetenz haben, etwas an der Hochschule zu reformieren, deren (eingebildete oder tatsächliche) Misere sie allein verschuldet haben? Wann nur, wann, wird statt des wohlfeilen Effizienzgeklingels einmal ein Wort wie "Demokratisierung" in solchen Papieren auftauchen?

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Erzeugt am 10.11.1998

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