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UNiMUT aktuell -- November 2003

Uni macht Amtshilfe für Ranking

Studifängerei (04.11.2003)

Rankings gehören zu den jüngeren Pestilenzen der Hochschullandschaft. In den 70er Jahren kamen sie in den USA auf, die BRD wurde erst Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts von der irrigen Meinung heimgesucht, etwas wie die "Qualität" einer Hochschule ließe sich "messen" wie die Größe eines Schranks. Der besonders widersinnige Glaube, die "gemessenen" Qualitäten seien auch noch anzuordnen, entsprang ganz offenbar Hirnen, die zu wenig Mathematik mitbekommen hatten, um zu wissen, dass nicht viele Dinge auf dieser Welt angeordnet werden können. Schon bei so simplen Dingen wie Punkten auf einer Ebene funktioniert das nicht, bei Schränken auch nicht. Der Plan, bei einer so diffusen und jedenfalls multidimensionalen Größe wie "Qualität" eine ein- oder auch wenigdimensionale Ordnung (d.h. eben ein "Ranking") finden zu wollen, zeugt entweder von grenzenloser Naivität oder von bösem Willen.

Sicher von Letzterem ausgehen können wir beim CHE, der Abteilung für Studiengebührenpropaganda des Bertelsmann-Konzerns. Diese illustre Einrichtung führt nun schon seit ein paar Jahren eben so ein Ranking durch, bei dem auch Studis ein paar Kreuzlein machen dürfen. Genauer: Einen ganzen Haufen Kreuzlein, auf Fragebögen, die jetzt wieder die Uni verschickt hat. Zum Trost: Für diese nicht ganz billige Dienstleistung wird die Uni vom CHE entschädigt -- in welcher Höhe, ist dank mangelnder Transparenz unserer Alma Mater unbekannt.

Leider werden sich weder CHE noch ihr publizistischer Lakai Stern durch prinzipielle oder methodische Bedenken beim Ranken, Drucken und Kommentieren stören lassen, und, egal, was die Leute ankreuzen, das Ergebnis steht auch schon fest: Die "Spitzenhochschulen" brauchen dringend Gebühren, um das internationale Profil zu schärfen, die Verlierer im Ranking brauchen die Gebühren, um Niveau gutzumachen. Das CHE wurde gegründet und wird weiter finanziert, um auf dieses Ergebnis zu kommen. Money talks, bullshit walks.

Auch die schlichte Taktik, den Fragebogen nicht zurückzuschicken, wird nichts ändern, denn ein paar liebe Studis, die dringende Verpflichtung fühlen, Post "von der Uni" zu beantworten und die das perfide Kalkül der Bertelsmänner mit ihrem massiven Vermarktungsinteresse für Ausbildungsangebote nicht durchschauen, gibts immer. Ein mieser Rücklauf ist bei der Wahl der Zahl der verschickten Fragebögen bereits eingeplant.

Eins kann allerdings helfen, die absehbaren "Erkenntnisse" des CHE zu diskreditieren: Wenn nach der Publikation des Ranking etwa 10 oder 20 befragte Studis aus Heidelberg unter Angabe der auf ihrem Fragebogen verzeichneten "Kennung" und des "Passworts" (beide übrigens "individuell") in einem offenen Brief an den Stern erklären, sie hätten den Bogen mit der unten stehenden Maschine ausgefüllt, mag dies schon einen gewissen Symbolwert haben.

Die Bedienung unserer Ausfüllhilfe ist denkbar einfach: Für alle Fragen mit sieben Auswahlmöglichkeiten klickt ihr auf den oberen Knopf und übertragt das Ergebnis im nebenstehenden Feld auf den Bogen. Für Fragen mit acht Wahlmöglichkeiten haben wir die zweite Feld/Knopf-Combo vorgesehen. Wir empfehlen, die restlichen Fragen nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten. Das übliche Lügenniveau bei solchen Zumutungen ist natürlich ok. Also: Zückt die Bögen, spitzt die Stifte...


Weist doch bitte eure FreundInnen und Mitstudis auf unsere großzügige Ausfüllhilfe hin. Es ist wirklich völlig harmlos, die Bögen zufällig auszufüllen, das Rankingergebnis steht -- wie oben erklärt -- in seinen wesentlichen Zügen ohnehin schon fest. Es schadet auch nichts, Studierende anderer Hochschulen auf unseren Service hinzuweisen.

Schließlich dürfen wir, bei allen prinzipiellen Erwägungen, dann doch noch kurz auf eine Frage auf dem Bogen eingehen. Auf unsere Lieblingsfrage nämlich: "Zahl der Kopiergeräte in der Bibliothek". In der Antwort anzugeben ist nicht etwa die Zahl der Kopiergeräte in der Bibliothek (was nach der Fragestellung vielleicht zu erwarten gewesen wäre), sondern eine Zahl zwischen 1 und 6 für "sehr gut" bis "sehr schlecht" oder ein "Kann ich nicht beurteilen". Hier werden, mensch sieht es, wirklich knallharte Fakten erhoben. Dann klickt mal schön.

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Vermehrende Preise und Bewerbungen, ministerielle Frechheit, Spam von der höheren Handelsschule und: Was kostet ein Mahl?

Wusstet Ihr schon... (05.11.2003)

...dass die Flut von Preisen, die irgendwelche Menschenfreunde unter die Studis zu bringen versuchen, immer weiter anschwillt? Gerade jetzt haben wir wieder zwei Neuzugänge, den BGW Förderpreis 2003 "Sicherheit im Straßenverkehr" der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege sowie den Studierende für Studierende Studentenwerkspreis für besonderes soziales Engagement im Hochschulbereich 2003/04. Nun, viel Freude beim Mitmachen, ingesamt gibts 20000 Euro zu gewinnen.

...dass Annette Schavan sich wieder mal nahtlos in die regierungsamtliche Tradition von Dreistigkeit einreiht? Sie will nun ihren LehrerInnen zwar Kopftücher verbieten, irrerweise aber Symbolisierungen "christlich-abendländischen Werte" erlauben. Dieser eklantante Rückfall in Kreuzzugszeiten wird auch noch vom Tübinger Steuerrechtler Ferdinand Kirchhof -- nicht zu verwechseln mit dem Heidelberger Juraprof Paul Kirchhof, dessen verwandtschaftliche Verhältnisse zu Ferdinand so schnell nicht zu klären waren -- rechtfertigt. All das ist so schlimm, dass mensch gar nichts mehr dazu sagen möchte. Bäh.

...was mittlerweile so alles legal ist? Na, am "BAföG-Skandal" werdet ihr wohl nicht vorbei gekommen sein. Dabei war der Skandal nicht etwa, dass wegen einiger Millionen Euro potenzeller Ersparnis elementare Rechte der informationellen Selbstbestimmung auf den Müllhaufen geworfen wurden, nein, der Skandal war, wie viele Studis sich am warmen BAföG-Regen gesundstießen, obwohl sie über märchenhafte Vermögen verfügten. Oder wie war das? Antworten findet ihr im Dossier zum Datenabgleich des fzs. Infos für Betroffene -- die oft genug noch nicht mal wussten, was da so alles für sie versteuert wurde -- hingegen findet ihr auf einer Seite des AStA der Uni Münster.

...was es an der Studiengebührenfront Neues gibt? Neu ist keinesfalls, dass Ute Vogt von der Ländle-SPD nun auch dringend nachlaufende Studiengebühren haben möchte (obwohl, solang sie noch in der Opposition ist...) und noch weniger, dass Frankenberg daraufhin die großen Dollarzeichen am großkoalitionären Himmel sieht. Nein, die brennenden Neuigkeiten kommen von Hessen-Hitler (das ist nicht von uns, sondern von der Titanic) Roland Koch. Noch nicht so kreativ ist seine "Verwaltungsgebühr" (statt 40 solls in Hessen 50 Euro kosten) -- dafür ist die Progression (Regieanweisung: von rauchiger Stimme erwartungsfroh hauchen lassen) um so toller. Dabei sollen die HessInnen künftig im 13. Semester 500 Euro zahlen, im 14. 700 und im 15. 900 Euro. Wo jetzt die Progression bei der Einkommensteuer wegfällt, damit das gesunde Profitstreben nicht von überbordender sozialer Gerechtigkeit erstickt wird, soll sie doch wenigstens irgendwo, wo es unverfänglich ist, wieder kommen. Aber vielleicht haben die hessischen Studis doch noch genug Kraft, um diesen Irrsinn zu stoppen? Die Zeichen stehen nicht ganz schlecht, am 29.10. fanden bereits 2000 Studis ihren Weg nach Frankfurt, um ihren Unmut über diese Pläne zu äußern.

...dass Mitte 2003 Leute, die nach ihrem Examen einen Job suchten, im Mittel 46 Bewerbungen durch die Gegend schickten? Der (etwas groteske) Klaus Resch-Verlag, der eine Studie zu diesem Thema vorgelegt hat, findet das ausgesprochen ungut, weil so natürlich mit der automatisch steigenden Zahl der Ablehnungen auch die Paranoia der "AbsolventInnen" steigt und Leute, die gerne mit Studierten Geld verdienen möchten, den Eindruck bekommen, es geben BewerberInnen wie Sand am Meer. Deshalb rät der Verlag, dem die Domain berufsstart.de gehört, zu wenigen, aber überlegten Bewerbungen. Nu. Vernunft kann nie schaden, selbst wenn etwas anrüchige Etablissements zu ihr raten.

...dass die Höhere Handelschule Mannheim mal wieder mit gutem Beispiel vorangeht? Auf ihrer Webseite (die übrigens nicht damit rechnet, dass Leute tatsächlich Fenster auf ihrem Rechner haben und offenbar von blutigen Amateuren gemacht wurde) schaltet sie nämlich seit einiger Zeit Werbung, unter anderem für STA Travel ("Ski & Fun unlimited"), McKinsey, eine Ludwigshafener Wohnungsbaugesellschaft ("Ersteiger dir deine Wohnung"), die Immobilientochter der Deutschen Bank und wohl generell alles, was ihnen die Falk AG ("Geotargeted Advertising"), die die Werbeeinblendungen offenbar organisiert, so auf die Seite schiebt. Die Falk AG verkauft übrigens auch die MailSolution, über die sie schreibt: "Die MailSolution Technologie ermöglicht Ihnen einen schnellen, stabilen und effizienten Versand Ihrer Mailings von über 2 Mio./h." Mit anderen Worten: Die Uni Mannheim hilft, ein Unternehmen zu finanzieren, das Spammern hilft, ihrem Rechenzentrum durch Unmengen von Werbemüll das Leben schwer zu machen. Vive la modern times.

...wie es um die repräsentative Demokratie und ihre Transparenz bestellt ist? Richtig: richtig schlecht. Ein besonders schönes Beispiel dafür war die Feierstunde zum 90. Geburtstag des Nazirichters Filbinger, der mit seinem Studienzentrum Weikersheim bis heute fleißig rechtsradikale Politikbeeinflussung betreibt, oder besser die Antwort, die Ex-Trotha-Lakai Christoph Palmer so auf eine Anfrage eines Abgeordneten nach den Kosten dieser öffentlich finanzierten Veranstaltung zu geben sich herabließ. Lest die Landtagsdrucksache 13/2481 und beantwortet danach folgende Fragen: (1) Wie viel Geld ist dem Land die Ehrung eines Nazirichters ingesamt wert? (2) Was kostet ein Abend mit dem Stuttgarter Kammerorchesters normal, was, wenn sie für Leute spielen, die immer noch gern an ihre Todesurteile zurückdenken? (3) Was kostet ein "dreigängiges Mahl" eines anerkannten gastronomischen Betriebs auf dem Niveau, das bei Ehrenbanketten in der BRD so üblich ist? (4) Wie viele Einschreibegebühren wurden for ol' lang syne an jenem Abend auf den Kopf gehauen? Viel Glück.

Walter I. Schönlein

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Dieser Artikel wurde zitiert am: 03.03.2004, 01.09.2005

Neue und alte Entwicklungen rund um die Gebühren

Grüße aus Studiengebührien (12.11.2003)

Seit unserem letzten Spaziergang in Studiengebührien, jenem großen, blühenden Kontinent, in den uns die Mächtigen und Reichen führen möchten, sind nun schon wieder drei Monate ins Land gegangen, und es wird Zeit, den Blick mal wieder etwas weiter schweifen zu lassen.

[Image: Besser als Lucky Streik: Uniwut]Über die Pläne des Hessischen Potentaten Koch, Strafgebühren progressiv zu erhöhen, hatten wir schon kurz berichtet. Reizvoll ist die Idee, bei den Gebühren 200 Euro pro Semester "Verzug" aufzuschlagen, für "Zweitstudien" gar gleich mal 1500 Euro pro Semester Basistarif zu verlangen, natürlich schon. Jedenfalls für bestimmte soziale Gruppen. Andere finden sowas weniger reizvoll, allen voran natürlich Studierende. Und die machen in Hessen durchaus ein wenig Ärger -- wie schon 1997 geht die Uni Gießen voran, die am Montag in einen zunächst bis heute befristeten Streik gegen Kochs Gebühren trat und heute beschloss, noch nicht aufzuhören. Damit befinden sie sich in Gesellschaft der TU Berlin, die heute ebenfalls die Fortführung ihres Streiks beschloss, der sich sowohl gegen Studiengebühren als auch gegen die in Berlin (trotz und wegen bestehender Gebühren) besonders drastische Unterfinanzierung der Unis richtet. Aus Sicht der Uni Heidelberg und ihres allzeit bereiten Rektors unvorstellbar ist, dass auf der Homepage der TU derzeit (12.11., 21.30) nicht nur auf den Streik hingewiesen, sondern auch noch gleich auf die einschlägigen Seiten des AStA verlinkt wird. Da verzeiht mensch fast, dass daneben irgendein Sermon von "Innovativen Köpfen" steht.

Im ebenfalls streikenden Marburg hat der dortige AStA den "sicheren Zugang" inklusive Surfgebühren erfunden und persifliert die immer wieder falschen und hohlen "Argumente" der Gebührenfundis so treffend, dass wir seine wichtigen Hinweise hier doch spiegeln möchten, um sie der Nachwelt zu erhalten.

Der Rest ist eigentlich kotzlangweilig. Dass Ute Vogt, Ex-Spitzenkandidatin der Landes-SPD ebenso (vorerst nachlaufende) Studiengebühren haben möchte wie diverse andere NachwuchspolitikerInnen der spezialdemokratischen Seite, ringt uns nur noch ein Gähnen ab. Die Grüne Landtagsfraktion beeindruckt immerhin noch durch das Mega-Dummschwätzwort StudienCredits, die vorerst mal auf gut 3000 Euro für einen Master rauslaufen sollen und dadurch, dass sie sich nicht schämen, ihren Ausverkauf an die Interessen reicher weißer Männer mit einem "wissenschaftlichen Gutachten" begründen zu wollen. Aber neu ist das bei den Grünen nicht. Unnötig zu sagen, dass die reichen weißen Männer und ihre Freunde hocherfreut sind -- und natürlich prompt die nächste Studiengebührenrunde im Landtag einleiten lassen -- inklusive Insubordination gegen die Berliner Regierung von Seiten der Spezialdemokratie.

Schließlich wäre ein Besuch in Studiengebührien nicht abgerundet ohne Ärger über das CHE, das mal wieder den DAAD rumgekriegt hat, eine Presseerklärung mit dem waffenscheinpflichtigen Titel "Deutschland im Wettbewerb um die klügsten Köpfe auf Platz drei" herauszugeben. Weil die Lektüre dieses Machwerks im ZFB bereits zu drei Fällen von Kranioflagration (das ist, wenn der Kopf explodiert, d.S.) geführt hat, wagen wir es nicht, einen Link zu setzen, möchten euch aber verraten, dass in dieser Presseerklärung "differenziert zulassen" der Euphemismus du jour für "die dummen Bimbos draußenhalten" ist (DAAD-Chef Christian Bode), während HRK-Boss Peter Gaehtgens sich mit dem bemerkenswerten Studiengebühren-Argument

Mehr Bildungsausländer verlangen aber auch mehr Service und Betreuung. Dafür benötigen die Hochschulen Geld, das nicht allein über die öffenltichen Haushalte aufzubringen ist.
vernehmen ließ. Danke, Bertelsmann, für diesen hirntötenden Unfug.

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Dieser Artikel wurde zitiert am: 26.11.2003, 26.11.2003, 05.12.2003, 03.01.2004, 25.02.2004

Das "Heldengedenken" steht wieder an

Lust auf...? (13.11.2003)

Der kommende Sonntag ist in vielen Kalendern als "Volkstrauertag" markiert. Dieses Volkstrauern sollte nach dem ersten Weltkrieg die Erinnerung an die Soldaten, die in Verdun ein Inferno und in Ypern den ersten Einsatz moderner Chemiewaffen geprobt hatten, wach halten und war natürlich ein gefundenes Fressen für Freikorps, Studentenverbindungen und Nazis -- letztere begingen den Tag denn auch als "Heldengedenktag" richtig groß.

Diese Geschichte hindert unzählige Kirchengemeinden landauf, landab mitnichten an allerlei Zügen zu mehr oder minder entsetzlichen Kriegerdenkmälern. Heidelberg allerdings hat in dieser Liga mit dem so genannten "Ehrenfriedhof" nahe dem Bierhelder Hof ein besonders schweres Erbe. 1934 von Nazi-Bürgermeister Carl Nienhaus zum Gedenken an die nichtjüdischen Soldaten, die im ersten Weltkrieg umgekommen waren, eingeweiht und nach dem zweiten Weltkrieg um all die zu ehrenden Wehrmachtssoldaten erweitert (aus ihren Reihen mussten die, die Nazis als JüdInnen klassifiziert hatten, gar nicht erst gestrichen werden) ist er natürlich ein Top-Anziehungspunkt für Nationalkonservative, Nazis und andere Elemente am rechten Rand, zumal, wenn es gilt, der "Helden" zu gedenken.

Wirklich erschreckend wird es, wenn sich diese Leute mit dem angeblich so demokratietreuen Militär und offiziellen Vertretern der Stadt mischen. Im letzten Jahr betrieb beispielsweise der UNiMUT-LeserInnen wohlbekannte Raban von der Malsburg als erster Bürgermeister eins a Reinwaschung der Wehrmacht, als er sagte, "Soldaten müssen weiter in Kriege ziehen, um Recht und Freiheit zu schützen" (Hervorhebung durch die Red) -- ganz so, als seien die Menschen, die dort oben begraben sind, in Kriege um Recht und Freiheit gezogen.

Dass bei alledem die offen rechtsextreme und antisemitische Burschenschaft Normannia nicht fehlen darf, überrascht nicht. Auch wenn sie bei dieser Gelegenheit nicht ihre paranoiden Flugblätter wider die "Macht des jüdischen Finanzkapitals" (Sommer 2000) oder die "Zensur" der antisemitischen Ausfälle von Ex-CDU-MdB Hohmann (diese Woche) verteilte, ist die Anreicherung des schwarz-braun-olivgrünen Cocktails um die Speerspitze großdeutsch-völkischer Verblendung alles andere als beruhigend.

All das ist ein Spektakel, für das auf dem Jahrmarkt Eintritt genommen würde. Leider allerdings meinen die (typischerweise) Herren, die dort auf dem Berg gedenken, die Sache ernst. Und das ist Grund genug für die AIHD und einige andere Organisationen, zu einer Kundgebung gegen das "Heldengedenken" aufzurufen. Treffpunkt dazu ist am 16.11. um 10 Uhr der Platz vor dem "Ehrenfriedhof" nahe dem Bierhelder Hof. Zumindest sollen die, die da den Helden von Oradour, Lidice, Distomo, Kragujevac, Dory und wer weiß von wo noch überall, denen, die für Kaiser oder Führer Milionen von Menschen abgeschlachtet haben, gedenken wollen, wissen, dass sie das nicht unwidersprochen tun können.

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Dieser Artikel wurde zitiert am: 19.11.2004

Universität will Umweltverträglichkeitprüfung für fünfte Neckarquerung bezahlen

Putting the money where the ass is (19.11.2003)

Wenn einmal die leuchtenden Sterne am Himmel der globalisierten Bildung wirklich vorbildlich sind, schließt der Rektor der Uni Heidelberg die Augen. Während nämlich die Red Line des MBTA-Netzes in Cambridge, Massachussetts quer unter den Reaktoren am Campus des MIT entlangrumpelt und es gar mitten vorm ehrwürdigen Harvard Yard eine T-Station "Harvard" gibt, scheint Hommelhoff alles tun zu wollen, um eine Erschließung des Neuenheimer Feldes durch den öffentlichen Nahverkehr (ok, das wäre dann auch nur die HSB) zu verhindern.

Stattdessen schwebt ihm immer noch die fünfte Neckarquerung vor, und das, obwohl der Gemeinderat schon vor Jahr und Tag beschlossen hat, lieber den (zugegebenermaßen nicht viel unschädlicheren) Burelli-Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Neckar bauen zu lassen. Ganz nebenbei darf wohl bemerkt werden, dass derzeit die Regierungen auch am Straßenbau sparen möchten -- es gibt eben doch nichts, das nur schlechte Seiten hat -- und so absolut nicht klar ist, ob die 150 Millionen (die Stadt redet derzeit von 84 Millionen, aber solche Schätzungen liegen erfahrungsgemäß um etwa einen Faktor 2 zu niedrig) für Burelli wirklich einlaufen werden. Zum Vergleich sei angemerkt, dass, wenn alle gegenwärtig 97 Projekte aus dem "Vordringlichen Bedarf" des Bundesverkehrswegeplanes (das ist, zugegeben, ein anderer Topf als Burelli oder Neckarquerung) in Baden-Württemberg gebaut würden, der für sie zur Verfügung stehende Etat bis ins Jahr 2030 (!) ausgeschöpft wäre.

Wie auch immer, wenn der Rektor und seine Frau etwas wirklich wollen, helfen weder Vernunft noch wohlausgewogene Angebote der HSB. Und da nun die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zur fünften Neckarquerung, die CDU und Heidelberger bei den lezten Beratungen in dieser Sache immerhin noch in die Beschlussfassung retten konnten, der Finanznot der Gemeinde zum Opfer fallen sollte, will Hommelhoff in die offenbar gar nicht so schlecht gefüllten Schatullen der Uni greifen und der Stadt mit mal eben 100000 Euro unter die Arme greifen. Denkt euch mal, was alles an tollen Dingen für die ^Neue Uni angeschafft werden könnte für dieses Geld: Abzieher! funktionierende Tafeln! Kreide! Overheadprojektoren, bei denen mensch auch was erkennen kann! Beamer gar! oder manchmal auch einfach nur eine Literaturliste! Und nebenbei: wieder muss mensch froh sein, dass die Verwaltungskostenbeiträge nicht der Uni zugute kommen. Denn sonst hätte in diesem Semester jedeR Zehnte von euch für diesen Mumpitz bezahlt.

Put your money where your mouth is, sagen sie im Stadtrat von Cambridge, Massachussets dann und wann und meinen, wer Umweltschutz wolle, solle in der lokalen Food-Coop Harvest, günstig zwischen Harvard und MIT an der T-Station Central Square gelegen, einkaufen. Put your money where your ass is, sagt sich Hommelhoff und lässt sich sicher einen Privatparkplatz für die Dienstlimousine reservieren in den neuen Blechsilos am Neckar. Wo kämen wir auch hin, wenn ein Uni-Rektor Straßenbahn oder, Gott bewahre, Fahrrad fahren müsste.

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Dieser Artikel wurde zitiert am: 26.11.2003, 03.01.2004, 23.05.2004

Bricht den Land den Solidarpakt?

Was wir nicht streichen, kürzen wir! (19.11.2003)

"Wegen des Versagens der Rot-Grünen-Bundesregierung auf dem Gebiet der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ist es zu dramatischen Einbrüchen in allen Bereichen, vor allem aber auch bei den Steuereinnahmen gekommen." So leitete das Staatsministerium eine Pressemitteilung vom 19.11.02 ein. Diese Einbrüche führen nun immer stärker dazu, dass kein Geld mehr da ist -- auch nicht in den Ländern mit "gesunder Struktur". Zu denen Baden-Württemberg, selbstverständlich, gehört.

Da man aber auch die Steuern nicht erhöhen will, muss das Geld woanders herkommen. Hierzu hatte die Haushaltsstrukturkommission des Landes in Sitzungen am 14. und 15.November 2002 ein Konsolidierungskonzept im Umfang von mindestens 500 Mio. Euro entwickelt. Die Hochschulen, so könnten unbedarfte LeserInnen nun denken, sind davon ja nicht betroffen, denn sie haben ja vor Jahren vorgeblich genialerweise den Solidarpakt geschlossen, der im Groben besagte, dass die Unis fleißig Personal und Studienplätze abbauen sollten und dafür eine Garantie hatten, auch wirklich nicht weiter gekürzt zu werden. Zugegeben, eine gewisse Planungssicherheit ist unter dieser Regierung in der Tat ein Luxus, für den es sich vielleicht zu bezahlen lohnt.

Doch: wenn man in diesem Land eines brechen kann, dann sicher die Solidarität! Die seit Ende September zirkulierenden Papiere zum Landeshaushalt für 2004 lässt die Hochschulen nicht ungeschoren. Unter dem Titel 14 (Wissenschaftsministerium), wird dort von den Universitäten ein Sparvolumen von 15,4 Mio Euro erwartet. Wenn das alles nicht nur wildes Zahlenjonglieren ist, um öffentlich als Obersparer dazustehen -- vor allem in Schwaben natürlich ein echter Imagehit --, dann will das Kabinett Teufel einen klaren Bruch des "Solidarpaktes" beschließen lassen.

Besonders perfide ist der Betrag, der verdächtig nahe an den 16 Millionen Euro liegt, die Frankenberg in den parlamentarischen Beratungen zur "Verwaltungsgebühr" als nur durch diese abzuwendende Kürzung darstellte. Aber wahrscheinlich wusste Frankenberg schon damals, dass er seinen eigenen Solidarpakt zum Ende des Jahres würde kündigen wollen -- dies jedenfalls würde seine damalige Freud'sche Fehlleistung (77k mp3) ganz nach Geschmack des alten Sigmund erklären.

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Dieser Artikel wurde zitiert am: 10.12.2003, 03.01.2004

Wieder mal ein neues UG in der Pipeline

Unternehmen Uni (26.11.2003)

Seit spätestens 1976 war jede Novelle der Universitätsgesetze (UG) in Baden-Württemberg ein Rückschritt für die Studierenden. Nun steht mal wieder so ein Schritt an, und wie eine Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion (Honni soit...) vom September des Jahres ahnen lässt, wird es ein besonders großer Schritt zurück. Morgen wird nun unser Senat beraten, und über Konstanzer Studis ist schon ein wenig durchgesickert, worüber die Senatoren morgen so diskutieren dürfen.

Fangen wir mit der guten Nachricht an: Der bodenlose Anachronismus, dass es immer noch einzelne Hochschulgesetze für Unis, PHs, FHs und Kunsthochschulen gibt, soll ein Ende haben, statt insgesamt gut 450 Paragrafen in den Einzelgesetzen soll das neue Landeshochschulgesetz mit gut 70 Paragrafen auskommen. Aber leider ist das sicher kein (dringend notwendiger) Schritt zur Gesamthochschule, und viel kürzer als das alte UG ist das neue LHG auch nicht. Und so ist die einzige gute Nachricht dann doch nicht wirklich euphorisierend.

Der Rest des neuen Gesetzes ist, soweit mensch das jetzt beurteilen kann, ein einziges Horrorkabinett. Zunächst soll festgeschrieben werden, dass das Normalstudium schlichte Berufsausbildung ist, wissenschaftlichen Anspruch gibts allenfalls noch als Fußnote. Dementsprechend wird dann auch der sechssemestrige Bachelor als Regelstudiengang festgeschrieben, die Neueinrichtung nichtgestufter Studiengänge (Diplom, Magister) sowie ihre Fortführung nach 2009 explizit untersagt; statt Semestern sollen auch Trimester eingeführt werden können. Bei der Gelegenheit soll das Gesetz auch gleich noch betonen, dass Masterstudiengänge nur für besonders exzellente Studis zugänglich sein sollen. Per Gesetz, auch wenn angeblich konkrete Richtlinien nicht aufgestellt werden. Angeblich hat sich das Ministerium dazu noch in den Entwurf geschrieben, dass es die Einrichtung eines Studiengangs verweigern kann, wenn die Uni kein Auswahlverfahren machen will. Wir sind sicher, dass es das tun wird, denn Hochschulautonomie ist ja wichtig.

Ganz neckisch im Hinblick auf den in der oben verlinkten Antwort beklagten "brain drain" ist, dass die angekündigte "Strukturierung" (lies: Verschulung) des Promotionsstudiums wohl tatsächlich Realität wird, ganz so, als würden die Leute nicht vor allem deshalb abhauen, weil sie hier mit Gesetzen wie diesem eindeckt werden und, vor allem, wegen dieser Gesetze in einer Uni-Karriere genau die Wahl zwischen Prof und Sozialfall haben. Frankenberg und seine Freunde waren wohl schon etwas länger nicht mehr auf Stippvisite auf dem Planeten Erde.

Bei den Regelungen zur Uni-Struktur gehts ähnlich schlimm weiter: Fleißig wird die Zuspitzung der schon seit etlichen UG-Novellen angestrebten Umgestaltung einer ständedemokratisch verfassten Hochschule zu einem nach Führerprinzip organisierten Pseudo-Unternehmen betrieben.

Der erst mit der letzten UG-Novelle eingeführte Hochschulrat, wenigstens in Heidelberg ein Rohrkrepierer erster Güte und dominiert von kenntnislosen Frühstücksdirektoren, wird so durch einen mehrheitlich durch das MWK besetzten "Aufsichtsrat" ersetzt, der, wenn gewünscht, nur noch aus kenntnislosen Frühstücksdirektoren bestehen darf und dessen Vorsitzender immer ein kenntnisloser Frühstücksdirektor ist, voraussichtlich wie bisher voll ideologischer Verblendung. Damit der auch tut, was er soll, nimmt an Sitzungen dieses "Aufsichtsrats" auch immer der Vorstandsvorsitzende (sic! kommt gleich!) und ein Verteter des MWK teil, letzteres wahrscheinlich, damit die Autonomie der Hochschulen gestärkt wird.

Der schon erwähnte Vorstandsvorsitzende wiederum ist der, der bisher Rektor heißt. Dementsprechend heißt das Rektorat künftig Vorstand und wird "im Einvernehmen" mit dem MWK von einem "Auswahlausschuss" gewählt, den wiederum Senat und Aufsichtsrat gemeinsam bilden. Klar: Entmachtung der Gremien, Ermächtigung des MWK, Hochschulautonomie also. Nur die "nebenamtlichen Mitglieder" des Vorstands werden wie bisher direkt vom Senat gewählt.

Nach diesem Muster geht auch die Neuregelung des Berufungsverfahrens vom Typ UG-2004 weiter: Der Vorstand bildet (immerhin auf Vorschlag der Fakultät) eine Berufungskommission und fällt dann, wiederum im Einvernehmen mit dem MWK, gleich noch den Beschluss, welcher begnadete Lehrer denn all die Bachelors berufsausbilden darf, wenn er muss. Und ob er muss. Der Fakultätsrat darf noch Stellung nehmen, der Senat hat nichts mehr zu sagen (bisher sind die beiden Gremien entscheidend, was auch nicht toll ist, aber immer noch um Meilen besser). Der Rektor im besten Fall als rheinischer Fabrikbesitzer. An die schlimmsten Fälle wollen wir nicht denken.

Auch auf Fakultätsebene möchte man wieder echte Führer haben: Der neue Fakultätsvorstand soll vor allem leiten, der Fakultätsrat, der bisher in ständedemokratischer Weise über Wohl und Wehe der Fakultät beschlossen hat, darf nur noch beraten. Mehr war zwar für die Studierenden bisher so und so nicht drin, aber die Tendenz dieser ganzen Maßnahmen ist trotzdem gruselig. Ein weiterer Lichtblick ergibt sich hieraus aber vielleicht: wenn es nichts mehr zu beschließen gibt, wird der Fakultätsrat nicht mehr tagen müssen, denn beraten tun sich die Profs schon jetzt aueßrhalb der Gremien.

Nach allem, was wir jetzt wissen, fehlt im Gesetz die eigentlich nach HRG6 (das ist ausgeschrieben die sechste Novelle des Hochschulrahmengesetzes) geforderte Verfasste Studierendenschaft (VS). Frankenberg scheint sich darauf zu verlassen, dass er seinen Prozess gegen HRG6 gewinnt. Wenn nicht, haben wir immerhin noch die Hoffnung, dass der Konflikt mit dem Bundesrecht das Durchstimmen dieses Schreckenskataloges verzögert. Oder vielleicht springt ja der Streikfunke doch noch auf unser Land über? Vielleicht sogar mit dem Beschluss, zu streiken, bis diese Unsäglichkeit vom Tisch ist?

Sobald uns der offenbar schon zirkulierende Entwurf vorliegt, werdet ihr davon erfahren und euch live gruseln können.

Nachtrag (18.12.2003): Mittlerweile ist der Entwurf soweit durchgesickert, dass sich Leute an einem Scan probiert haben. Hier also der dritte Entwurf fürs neue LHG.

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Dieser Artikel wurde zitiert am: 26.11.2003, 30.11.2003, 05.12.2003, 03.01.2004, 21.01.2004, 23.01.2004, 25.02.2004, 05.05.2004, 22.12.2004, 26.01.2005, 09.03.2005, 18.05.2005, 30.05.2005, 18.05.2006

Uni-Streiks weiten sich aus -- die Berichte über sie auch

UniWUT überall (26.11.2003)

Die Streiks, über die wir vor zwei Wochen berichtet haben, weiten sich aus -- in der letzten Woche haben sich etwa Göttingen und unsere nördlichen Nachbarhochschulen TU und FH Darmstadt angeschlossen. Mehr dazu auf der Streikseite des fzs oder im Protest-blog. Wie immer empfehlenswert ist natürlich auch indymedia, in diesem Zusammenhang vor allem indymedias Bildungsseite.

Inzwischen nehmen allerdings auch die kommerziellen Medien die Streiks wahr, vorerst meist noch irgendwo zwischen anderen unwichtigen Themen wie Hungersnöten in Burundi oder Massakern in Kolumbien. Es ist nicht klar, ob mensch über das relativ verhaltene Echo traurig sein soll, denn die Berichterstattung, die von kommerzieller Seite derzeit so läuft, wiederholt etwa das Muster von 1997/98: Die braven Studis wollen ja nur ordentliche Studienbedingungen haben, damit sie dann auch gutes Humankapital sind, das unser rohstoffarmes Land so dringend braucht. Kein Wort von Studiengebühren oder Bildungszugang etwa bei der Berliner Morgenpost (Springer), unter ferner liefen kommen diese Fragen bei der taz (kostenpflichtiges Archiv, deshalb kein Link). Die taz interviewte gleich noch einen armen Jungen, der ziemlich wörtlich die Nummer vom rohstoffarmen Land aufführte -- es hätte wohl nicht viel Mühe gekostet, irgendwen zu finden, der/die nicht hohle Phrasen aus dem Hause Bertelsmann nachbetet, deren Schlüsse wir alle kennen. Nur: Die taz hat sich diese Mühe nicht gemacht, und die anderen "großen" Medien werden sie sich auch nicht machen.

Allein die junge welt dokumentiert, dass es natürlich ganz wesentlich um Studiengebühren, Verschulung, Zurichtung auf Verwertbarkeit und all die anderen Topoi der modernen Reformdiskussionen geht, vielleicht gar darum, Teil einer breiteren sozialen Bewegung gegen die Privatisierung der Welt zu sein. Dass die aktuellen Kürzungspläne Auslöser sind, wenigstens in Berlin, ist natürlich nicht zu leugnen, die Proteste darauf zu reduzieren, verrät eine Agenda, die der doch so freien Presse eigentlich nicht anstehen sollte. Obwohl: Auf einem Foto im Beitrag des Stern (Bertelmann via Gruner und Jahr) sind immerhin Teile eines Transparents zu sehen, auf dem das Anti-GATS-Motto "Education is not for sale" steht. Schade, dass es eben doch nicht lesbar ist.

Richtig ist allerdings, dass Streiks von direkt umsetzbaren Forderungen profitieren, und eine Umkehr des GATS-Prozesses wird wohl ein wenig dauern. Ähnlich wie schon vor sechs Jahren möchten wir mit unseren Vorschlägen für eventuelle Proteste im laufenden Wintersemester nicht hinterm Berg halten:

  • Rücktritt von Frankenberg
  • Rücknahme der Verwaltungsgebühr
  • Stopp der willkürlichen Demontage von Diplom- und Magisterstudiengängen -- bessere Inhalte und Lehrformen statt Verschulung durch Bachelor-Studiengänge
  • Einstampfen der aktuellen UG-Novelle, Erarbeitung einer neuen Fassung mit dem Ziel der Demokratisierung der Hochschulen.

Na gut, wer unbedingt will, kann noch was vom Geld dazuschreiben. Aber solange sich an der Unistruktur nichts ändert, wird das Geld eh nur für absoluten Unsinn verschleudert -- mehr Geld wäre nett, aber die Probleme liegen woanders. Sie liegen bei Wissenschaftsministern mit Profilierungssucht und Rektoren, die sich schon für kleine Sonnenkönige halten und das demnächst auch offizell sein werden.

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Dieser Artikel wurde zitiert am: 05.12.2003, 03.01.2004

Bachelor und Master sollen jetzt ganz toll sein

Rektorat bedenkt kaum noch Umstellung auf BA/MA (3.12.2003)

Mit vergleichsweise geringem Elan wurden während der letzten Semester an der Uni Heidelberg BA-Studiengänge eingerichtet. Vor allem aus den Geistes- und Sozialwissenschaften kam harsche Kritik an der Reduktion universitärer Abschlüsse auf Zwischenprüfungsniveau, die Naturwissenschaften verwiesen auf ihre bewährten Diplomstudiengänge, die nicht reduzierbar seien; auch das Rektorat hatte schwere Bedenken gegen Studiengänge, die von Vorneherein keine Spitzenexzellenz, sondern Masse, produzieren sollten. Wer die Sache anders sah, dachte spätestens nach der Lektüre der ministerialen Eckwerte zu BA/MA-Studiengängen nur noch selten ernsthaft über die Einführung nach -- und wenn doch, dann häufig mit eher hart erkämpftem Erfolg. Von den BA-Studiengängen, die tatsächlich eingerichtet wurden, verdanken einige ihre Existenz freundlichen Hinweisen aus Stuttgart -- z.B. darauf, dass man das Institute, die nicht innovativ sind, auch schließen könne... Bei den Master-Studiengängen sah es etwas anders aus, doch auch hier war die Zurückhaltung groß und die Initiative gering.

Nach der Berliner Konferenz vom 19.9. stellt sich die Frage nach der Einführung von BA/MA und der Beibehaltung der bisherigen Studiengänge erneut -- doch anders. Erwähnt werden muss hierbei, dass es im Vorfeld der Berlinder Konferenz am 12.6. ein Treffen der KMK gab, auf dem 10 Thesen zu BA/MA beschlossen wurden, die später, am 10.10., in den "Ländergemeinsamen Strukturvorgaben gemäß §9 Abs. 2 HRG für die Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen" überarbeitet wurden. Unklar bleibt hier die Zukunft der Diplomstudiengänge: die 10.These sieht vor, dass Diplomstudiengänge auch nach 2010 noch möglich sein sollen - die Strukturvorgaben sagen nichts dazu. Klarer scheint die Haltung Baden-Württembergs zu sein. Minister Frankeberg soll -- so die zuständige Heidelberger Prorektorin für Lehre -- am 14.11. erklärt haben, dass die Diplomstudiengänge und die grundständige Promotion wegfallen; parallel zu BA/MA solle es aber weiterhin die Staatsexamina (für die medizinischen und Lehramtstudiengänge) sowie die kirchlichen Prüfungen geben. Dies deckt sich mit dem, was das neue LHG wohl vorsehen wird. Allerdings erklärte Günther Held von der Außenstelle Karlsruhe des Landeslehrerprüfungsamtes am 2.12. im Rahmen einer Informationsveranstaltung, dass die Lehramts-Staatsexamina wegfallen sollen. Sie sollen durch Universitätsprüfungen ersetzt werden, so dass der Staat die Übernahme ins Referendariat nicht mehr garantieren müsste. (Eine derartige Entwicklung deutet sich bereits länger an.)

Auch sonst gibt es zum Teil widersprüchliche Informationen. Während das Rektorat davon ausgeht, dass die baden-württembergischen Eckwerteerlasse zu BA/MA-Studiengängen aufgehoben und neue nicht geplant seien, kursieren auch Gerüchte über die Planung neuer Eckwerte. Sollte es keine Eckwerte geben, hätte man tatsächlich gewisse Gestaltungsräume beim Entwurf neuer Studiengänge. Die Stufung nach den neuen KMK-Vorgaben sieht z.B. nicht mehr zwingend vor, dass nur 20 % der AbsolventInnen eines BA-Studiengang in den MA-Studiengang wechseln dürfen und macht keine Vorgaben über Prüfungsformen oder Studienanteile in bestimmten Bereichen ("wissenschaftliche Grundlagen, Methodenkompetenz und berufsfeldbezogene Qualifikationen" lässt sich immer mit Inhalt füllen). Allerdings könnte man derartige Regelungen hochschulintern einführen, z.B. durch Musterordnung für alle Masterstudiengänge. Wer den Rektor öfter über die Exzellenz der Uni Heidelberg hat reden hören, hält dies nicht für ganz unmöglich.

Die exzellenten Magisterstudiengänge der Ruperto-Carola jedoch werden nach Einschätzung des Rektorats der Umstellung auf BA/MA nicht entgehen. Allerdings soll -- und kann aufgrund der neuen Rahmenbedingungen -- dabei möglichst viel der (Exzellenz der) alten Studiengänge erhalten bleiben. Daher hat die Prorektorin für Lehre mit der Verwaltung eine Musterprüfungsordnung erarbeitet, die nach kurze Diskussion im SAL am 2.12. im nächsten Jahr an die Fakultäten geschickt werden soll. Es heißt aber dass diese Ordnung sehr formal gehalten ist, so dass man aus den alten Studiengängen einige Veranstaltungen streichen und andere umbenennen kann und den Rest in den neuen Rahmen packen kann. Was an den alten Studiengängen nicht gut war oder welche Schwerpunkte man in neuen sechssemestrigen Studiengängen setzen könnte, wird kaum bedacht werden.

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Dieser Artikel wurde zitiert am: 03.01.2004, 25.02.2004, 02.06.2004


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Erzeugt am 30.11.2003

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